Abschaffung des Bologna-Systems

Moderator: Zmokey

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Donkhoa
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Abschaffung des Bologna-Systems

Post by Donkhoa »

Hiho, Leute^^

Ich habe bald in der Schule eine Debatte über die Abschaffung des Bologna-Systems...
Zu diesem Anlass würde ich gerne mal eure Meinung dazu hören, bzw. was ihr gut und was ihr schlecht daran findet.

Vielen Dank schonma für eure zahlreichen Beiträge, euer Donkhoa
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Shareel
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Joined: Wed Jan 10, 2007 11:53 am

Post by Shareel »

Ich musste jetzt erstmal nach "Bologna-System" googeln und bin nicht wesentlich schlauer.
“Das Problem hat, wenn überhaupt, lediglich in der Praxis Relevanz.”
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Yonder
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Post by Yonder »

"Ein weites Feld, Louise..."

Ich selber bin im deutschen Studiensystem der 90er-Jahre nicht glücklich gewesen. Zu viel Freiheit, zu wenig Betreuung. Ein bisschen mehr feste Struktur und engere Zeitvorgaben hätten mir gut getan. Aber das hängt auch sehr von den Persönlichkeiten der Studenten ab.

Mein Lieblings-Prof pflegte zu sagen: "Das deutsche - also das Humboldtsche - Universitätssystem ist das beste der Welt, wenn es funktioniert, und das schlechteste, wenn es nicht funktioniert." Offenbar funktioniert es in letzter Zeit nicht mehr gut, daher war wohl Reform nötig. Bologna bringt leider sehr viel Bürokratie mit, das ist immer schlecht. Aber generell gibt es wohl keinen Weg zurück.
Last edited by Yonder on Tue Feb 23, 2010 1:36 pm, edited 1 time in total.
“There’s a fine line between fishing and just standing on the shore like an idiot.” --- Steven Wright
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Veru
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Post by Veru »

Ich bin zwar nicht betroffen, habe aber trotzdem eine Meinung :-) Bzw. mehrere Gedanken dazu.

- M.E. ist es wichtiger, dass Abschlüsse zertifiziert/anerkannt werden, als dass sie genauso heißen wie im Ausland. Was nützt mir der Abschluss Master, wenn er nicht als solcher anerkannt wird? Was ist gegen ein Diplom einzuwenden, wenn es als Master anerkannt wird? Ich hatte mal einen kennengelernt, dessen Vordiplom der TU Karlsruhe wurde von der Uni Cambridge(!) als Bachelor anerkannt.

- Das Bachelor/Master-System wirft die ganze Reihenfolge der Ausbildung gegenüber dem alten deutschen System auf den Kopf. Hier musste man sich früh entscheiden, ob man eher praktisch (FH) oder wissenschaftlich (Uni) studieren wollte. Mit Bachelor/Master hingegen studieren alle erstmal praktisch/berufsorientiert, bis zum Bachelor, und erst danach kommt die wissenschaftliche Ausbildung, oft als Vorbereitung auf eine Promotion. Würde man das hier konsequent umsetzen, dürften FHs keinen Master vergeben, sondern, analog zu amerikanischen Colleges, nur noch Bachelor. Die Unterscheidung Master(FH) und Master(Uni) ist Schwachsinn.

- In USA und UK ist Bachelor der Regelabschluss, nur ein kleiner Teil macht den Master. Hier war der Regelabschluss das Diplom bzw. der Magister. Es bleibt abzuwarten, ob die Unternehmen den Bachelor überhaupt annehmen werden. Wenn nicht, haben die Studenten ein Problem, da meines Wissens nicht genug Master-Studienplätze für alle vorgesehen sind.


Alles in allem bin ich froh, dass ich von dieser Reform verschont blieb und noch ein gutes altes deutsches Diplom ergattern durfte.


Edith meint zu Yonder: Das Ausmaß der Freiheit hängt auch glaube ich sehr vom Studiengang ab. In der Informatik war das Grundstudium fest vorgegeben, nur beim Proseminar musste man selber eins auswählen. Dafür hatte man dann im Hauptstudium relativ viel Freiheit, und konnte sich die Vorlesungen nach seinem Geschmack aussuchen. Das fand ich perfekt. Ich hab selbst ein Jahr in UK studiert, und mich hatte die Verschulung dort eher gestört. Gut fand ich dort jedoch, dass man einen Prof. ("director of studies") hatte, mit dem man seine Auswahl an Vorlesungen abstimmen musste. Der konnte einem auch Tipps geben, was man von einer Vorlesung zu erwarten hatte.
"Your weakness disgusts the gods."
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Cov
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Joined: Sun Nov 26, 2006 12:38 pm

Post by Cov »

Ich halte den Bologna-prozess fuer grossen Murks, auch weil ich einiges aus der lehrenden sich mitbekommen habe. Die ideen sind ja gar nicht mal schlecht gewesen. man wollte ein einheitliches system fuer ganz europa hinkriegen, mit aehnlichen abschluessen.
dummerweise ging das ziemlich in die hose, auch weil man in deutschland nur gerne auf die "spitze" des uk-systems geschaut hat.

natuerlich mag ein master in cambridge viel toller sein als ein diplom in deutschland. der bachelor an der zweiten edinburghschen uni war nach 4 jahre vom gefuehl her kaum das vordiplom was ich nach 2 jahren hatte in wirtschaftsmathe.

ausserdem hat man sich von der vereinheitlich ja versprochen, dass man leichter wechseln kann und mehr austausch ermoeglicht. interessanterweise gibts viel weniger austauschstudenten im neuen system, man hat einfach keine zeit mehr. haengt auch damit zusammen wie die studiengaenge organisiert wurde. im normalfall wurden ja keine neuen studiengaenge von grund an aufgebaut, sondern die alten vorlesungen ins neue system gezwaengt. was man vorher an fachhochschule in 4 1/2 jahren gemacht hat, wird eben jetzt in 3 jahre gequetscht. das kann nicht gut gehen.


mir hat die freiheit vermutlich nicht gut getan, bzw etwas mehr zwang haette mein studium sehr verkuerzt. andererseits halte ich mich jetzt fuer viel selbststaendiger als jemand der nach dem abi nochmal 4 jahre zur schule gegangen ist.

kommt dazu, dass im vergleich zum englischen system der studienanfang ein anderer ist. die schotten fangen teils mit 17 ihren bachelor an, da sind die ersten 2 jahre quasi genau wie schule, die mathe-ausbildung besteht entsprechend auch noch aus rechnen lernen. sprich um ein uni-system anzugleichen, haette man sich vorher gedanken ueber ein angeglichenes schulsystem machen muessen. aber das kriegen wir ja nichtmal innerhalb deutschlands hin.

ich hatte vor jahren mal ein interessantes interview mit einem amerikanischen personaler gelesen, da hat der sich schon gewundert, warum die deutschen mit ihrem uni-system unzufrieden sind. er meinte die studenten wuerde durch das system besseres problem-loesen-selbstorganisieren lernen als es jemals ein amerikanischer studi mit festen lehrplan hinkriegt.
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