Letzte Woche das erste mal die zwei virtuellen Spieltische ausprobiert: Tabletopia und Tabletop Simulator. Ich weiss, da bin ich Jahre zu spät, bisher hatte ich aber keinen Grund das anzuschauen. Ich habs auch nicht so recht verstanden, warum man was am Rechner spielen sollte, mit all den Nachteilen eines Brettspiels (man muss sich um einiges an Verwaltung kümmern) und den Nachteiles des Computer (keine Haptik, nicht gemeinsam am Tisch). Die speziellen digitalen Umsetzungen als App finde ich gut, weil sie einem viel Arbeit abnehmen (Lords of Waterdeep, Terraform Mars. Irgendwann will ich mir auch mal die Zeit nehmen mich mehr mit Through the Ages and Sythe zu beschäftigen).
Aber nach bisschen rumprobieren und deutlich zu wenig Brettspielrunden in den letzten Monaten war die Motivation hoch genug für die virtuellen Umgebungen.
Tabletopia scheint dabei der etwas offiziellere Bruder zu sein, alle Spiele dort drin sind offiziell lizensiert, viele sind frei, bei manchen muss man die Umsetzung kaufen und ein Abo abschliessen. Für die Runde braucht dann aber nur einer ein Abo. Ich habe dort die Wochen mit einem Freund einige Partien "Santorini" gespielt, das ging gut, und war so unterhaltsam wie die physische Variante. Dann noch einmal 'Roll Player' solo ausprobiert (da kannte ich das Spiel noch nicht). Bedienung ist einfach, Regelwerke sind da. Und einmal das Einsteiger-Solo-Spiel von 'Sub Terra'. Passt, hatte ich gehofft.
Samstag dann mit Freunden zu sechst gewebkonferenzt, zuerst paar Runden 'Just One' (für mich immer noch überraschend Spiel des Jahres geworden) gespielt, das geht mit Zettel-in-die-Kamera-halten sehr einfach. Danach Tabletopia probiert, daher hatte ich mir vorher Sub Terra angeschaut. Ist gar nicht so einfach was für 6 Spieler zu finden (was nicht 'Secret Hitler' ist). Paar haben sich mit dem Browser verbunden, paar mit den Tabletopia client. Der Netcode ist grottig. teilweise waren alle 6 verbunden und konnte das Spielfeld manipulieren, aber ich hab nur 3 gesehe laut meinem Client. 2 von 6 sind alle 5min rausgeflogen. Wir konnten es zu Ende spielen, aber vor allem weil es 4 Clients durchgehalten hat, und 2 Pärchen an einem Rechner spielen konnten. War nicht die beste Werbung.
Zu 'Sub Terra': man ist eine Gruppen von Höhlenforschern, findet sich in einer dunklen Höhle wieder und muss kooperativ den Ausgang finden. Legt dabei neue Höhlenteile beim erforschen an. Hat recht einfache Regeln, spielt sich erstaunlich flüssig und nach dem ersten Spiel versteht man auch, dass es tatsächlich Zeitdruck gibt. Bei der ersten Runde ist das noch etwas sehr abstrakt, weil Gewinn/Verlieren-Entscheidung erst ganz am Ende zum Tragen kommt und Anfangs noch super weit weg scheint. Aber wenn man nicht von Anfang an einiges an Risiken eingeht, sieht es am Ende ungewinnbar aus.
Die ersten Ausflüge vor dem Samstag abend haben mich auch dazu bewogen Tabletop Simulator zu kaufen, das Modell ist dort etwas anders: einmal kaufen (aktuell 20€ glaube ich, gibts aber anderen Anbieter auch mal günstiger, im humblestore zum Beispiel) und dann gibt es eine gigantische Auswahl an Workshop Mods dafür. Es gibt auch ein paar offiziell lizensierte Spiele die extra kosten. Das meiste ist aber ein Graubereich and mehr oder weniger gut umgesetzten Mods. Die Bedienung ist etwas komplizierter, dafür auch viel flexibler was alles geht. Ich habe bisschen rumgeklickert und es hat mich genug überzeugt, dass ich meine aktuelle Gloomhaven Kampagne dort in einem Mod nachgebaut habe. Der Mod hat da auch einiges an Scripting mit drin (zum Beispiel alle Szenarien, Initiative-Tracking, ...). Das macht einen ganz runden Eindruck. Zum weiterspielen unserer 2er Kampagne bin ich noch nicht gekommen, das wollen wir die Tage machen.
Nachteil beim Tabletopsimulator: jeder braucht eine eigene Kopie, und läuft nur über Steam. Was aus Homeoffice-Arbeitslaptops nicht ideal ist

Ist also nix für den Brettspiele-Abend mit Oma sondern mehr für die Computerspielefreunde-spielen-Brettspiele Umgebung.
Jemand Erfahrung mit Tabletop Simulator? Oder Interesse da ein paar Sachen auszuprobieren? Gloomhaven traue ich mir zum beispiel zu zu erklären, wer da mal reinschauen mag, möge sich melden (und wenn der Funke überspringt, kann ich mir auch vorstellen eine Kampagne anzufangen). Food Chain Magnate habe ich auch öfters gespielt im letzten Jahr (eher in der Kategorie: hardcore-gaming wie es in den 80ern war, nur dass es ein neues Spiel ist). Terraforming Mars finde ich toll (dort ist aber die App-Unterstützung hilfreich für die Verwaltung). Zu Battlestar Galactica sage ich nie nein, wobei so ein Verräter-Spiel wohl eine eigene Dynamik hat, wenn nicht alle am gleichen Tisch sitzen. ...